Ich hatte das Gefühl, dass die Hochsensibilität in letzter Zeit ein bisschen zu kurz gekommen ist auf meinem Blog, daher möchte ich Ihnen, besonders den hochsensiblen Lesern, einen kleinen Einblick in den täglichen Wahnsinn, namens Leben geben.

Ich betone ausdrücklich, dass dies meine persönliche Sicht der Dinge ist und dass die Gabe der Hochsensibilität bei jedem Menschen anders in Erscheinung tritt.

Sie sollten sich daher nicht zu sehr auf Details versteifen, falls es bei Ihnen anders ist und sich nicht im Vergleichen üben.

Die hochsensible Art der Wahrnehmung

Als hochsensibler Mensch ist man einer größeren Reizempfänglichkeit als normale Menschen nahezu „ausgeliefert“. Zumindest fühlt es sich teilweise so an, besonders, wenn man erst am Anfang steht einen guten Umgang mit seiner eigenen Hochsensibilität zu erlernen.

Das heißt Licht, optische Eindrücke, Geräusche, Gerüche, Geschmack, Einwirkungen auf die Haut (z.B. Druck, Vibrationen, Wärme, Kälte, Zugluft) werden intensiver, detaillierter, differenzierter und in einer größeren Bandbreite wahrgenommen.

Viele Eindrücke werden dadurch fast unnatürlich verstärkt, andererseits nehmen wir mit unseren „feinen Antennen“ oft viele Dinge in unserer Umgebung wahr, die anderen gar nicht auffallen.

Dementsprechend können sich Situationen sowohl belastend als auch bereichernd anfühlen.

Was bedeutet Hochsensibilität für mich im Alltag?

Für mich persönlich bedeutet es eine schnellere Erschöpfung und mehr Ruhephasen.

Bevor ich vor vielen Jahren erfuhr, dass ich hochsensibel bin, wurde mir oft gesagt, dass ich einfach nicht stressresistent wäre.

Und ich empfand mich tatsächlich als unnormal, weil ständige Reizüberflutung mich schnell an meine Grenzen brachte.

Zum Beispiel gelingt es mir bei Gesprächen nie das Radio, dass im Hintergrund läuft, auszublenden.

Im Gegenteil: für mich wird die Musik zunehmend lauter und ich habe Probleme meine Mitmenschen zu verstehen.

Ein paar weitere Begegebenheiten

Es passierte mir früher öfters und auch heute noch, wenn ich nicht völlig in meiner eigenen Mitte und Sicherheit bin: ich übernehme unbewusst Stimmungen und Energien anderer Personen, d. h. ich habe plötzlich schlechte Laune obwohl „mir“ selbst gar nichts passiert ist.

Ich höre Radio bei Gesprächen lieber gar nicht oder auf Fledermaus-Niveau, für normale Menschen also fast nicht wahrnehmbar. Keine Frage: mein Mann muss da viel aushalten.

Ein richtiger kleiner Kampf ist Shopping, aber auch normales Einkaufen von Lebensmitteln: die zu vielen, geballten Eindrücke bringen mich schnell an meine Grenzen und ich will einfach nur weg.

Bei einem Streit zwischen zwei Menschen verstehe ich immer beide Seiten. Ich stoße allerdings mit meinen Erklärungsversuchen oft auf Unverständnis, weil die Anderen meine Meinung nicht nachvollziehen können.

Einen passenden Film zu finden, kann ein echter Drahtseilakt sein. Ich spüre falsche Energien und unterschwellige Thematiken sofort und reagiere mit starker Ablehnung.

Ist der Film jedoch der richtige, kann es mich extrem mitnehmen und tief berühren.

Was hilft im Alltag als Hochsensibler?

Ich brauche Ihnen sicher nicht erklären, dass „schlaue“ Sprüche uns da absolut nicht weiterhelfen.

Mir selbst helfen bereits kleine Spaziergänge ganz für mich in der Natur oder im Wald.

Bücher lesen! Wobei ich mal wieder Bücher zur reinen Freude und nicht bloß zum weiterbilden lesen sollte.

Etwas Kreatives machen! Etwas ausmalen, Tagebuch oder eine schöne Geschichte schreiben… nur für einen selbst.

Aber ich gestehe, dass ich mich manchmal an meine eigenen Tipps erinnern muss, z. B. wie heilsam Musik und Singen sein kann oder losgelöstes Tanzen.

Welche Stärken können Hochsensible haben?

Wir können ausdauernd aufmerksam sowie wachsam sein – wir hören, sehen, riechen, schmecken oder fühlen schon etwas, bevor andere dies überhaupt anfangen wahrzunehmen.

Wir können einen sehr genauen Blick für Details und Nuancen haben und sorgfältig auf Kleinigkeiten achten.

Wir können viel, sehr viel, von unseren Mitmenschen mitbekommen, besonders bei Widersprüchlichkeiten zwischen gesagten Dingen und dem körperlichen Ausdruck.

Wir können Informationen sehr gründlich verarbeiten durch nachdenken und reflektieren.

Wir können ganzheitlich und vernetzt denken.

Wir können umsichtig und vorsichtig sein.

Wir können engagiert und pflichtbewusst sein.

Wir können werteorientiert und idealistisch sein.

Wir haben ein reiches, kreativen Potenzial.

Wir sind gefühlsstark.

Wir haben ein hohes Einfühlungsvermögen.

Wir verfügen über einen guten Zugang zur Intuition.

Was sind die Schwächen von Hochsensiblen?

Ich denke unsere größten Schwächen sind zum einen unsere Gabe der Hochsensibilität nicht ausreichend zu würdigen und zum anderen der zwanghafte Versuch ein „normales“ Leben führen zu wollen.

Das schaffen wir auf Dauer sowieso nicht und ist auch nicht unsere Aufgabe!

So herausfordernd es täglich sein kann, hochsensibel zu sein – es ist ein Geschenk und ermöglicht uns einen tiefen Zugang zu uns selbst und zu den tieferen Dingen dieser Welt.

Doch wie erreichen wir diesen Zugang?

Stellen Sie sich einen langen Gang mit mannshohen Regalen links und rechts von Ihnen vor, in denen unzählige Aktenordner in Reih und Glied stehen.

Dies ist unsere aktuelle Welt, die auf Daten, Zahlen und Fakten aufgebaut ist und die wir ausschließlich mit unserem Verstand begreifen.

In dieser Welt gibt es kein Ausweichen, der Weg/ der Gang ist schnurgerade, es gibt keine Abzweigungen, weder nach links noch nach rechts.

Es ist daher kein Wunder, dass wir uns manchmal fehl am Platz fühlen oder uns teilweise auch als „zu viel“ empfinden mit unseren Gedanken, Emotionen und Wahrnehmungen.

Doch nun stellen Sie sich vor wie Sie links von sich einen der Ordner aus dem Regal ziehen und auf den Boden stellen.

Und nun machen Sie etwas, von dem Ihr Verstand sagen würde, dass es völlig überflüssig ist dies zu tun.

Sie beugen sich vor… und ein Kribbeln erfasst Ihre Fingerspitzen, eine Art aufgeregte Neugier…

Und Sie schauen in die Lücke zwischen den verbliebenen Ordnern, in die samtene Dunkelheit dazwischen.

Doch statt auf die dunkle Regalrückwand zu blicken, erblicken Sie einen schmalen Streifen Licht und in dem Licht einen geheimnisvollen Garten.

(Jeder Mensch, ob hochsensibel oder nicht, hat in sich diesen Zugang zu dem geheimnisvollen Garten. Doch ich denke, dass besonders sensiblen und hochsensiblen Menschen ein einfacherer Zugang dazu möglich ist.)

Dieser Garten ist Ihre Innenwelt, die in unserer alltäglichen Welt an Wert und Platz verloren hat.

Sie steht für Ihr Gefühl und Ihre Intuition.

Ein täglicher Besuch in Ihrem inneren Garten kann daher sehr heilsam sein.

Ich begleite Sie gern zu Ihrem inneren Garten. Hier finden Sie mein Angebot für eine individuellen Beratung.

Hochsensibilität Beratung Gotha

Wie gelingt ein Leben in Balance als Hochsensibler?

Ein Schritt ist der Besuch im eben beschriebenen inneren Garten.

Für jeden Menschen sieht dieser Garten anders aus, daher habe ich auf eine nähere Beschreibung verzichtet.

Eine andere Möglichkeit ist zu lernen und sich auch zu erlauben NEIN zu sagen.

Besonders hochsensible Menschen neigen dazu sich der Außenwelt anpassen zu wollen und übergehen dabei schlicht sich selbst.

Ein NEIN ist der erste Schritt zur Freiheit.

Ein NEIN zu dem, was uns erschöpft.

Ein NEIN zu äußeren Ansprüchen und Erwartungen.

Und damit ein JA zu uns selbst.

Ein JA zu unserer inneren Anbindung.

Und ein JA dazu, das Beste vom Leben zu erwarten.

Freiheit ist ein Erinnern daran, was uns jenseits unserer Rollen wirklich ausmacht.

Wir sind kein isoliertes Ich, sondern Teil eines lebendigen Ganzen.

Fazit

Hochsensibel sein ist keine Sache, die man irgendwann ablegen oder wegtherapieren kann.

Sie gehört zu uns und wir dürfen diese Tatsache als Gabe ansehen.

Das Leben ist herausfordernd, aber es liegt an uns selbst, was wir daraus machen und wie wir damit umgehen.

Beste Grüße, Mandy